15.05.2011

anti-israelische Berichterstattung beim MDR

Eigentlich wollte ich bereits mit der Biografie von Alice Schwarz-Gardos im Bett liegen, aber die Radio-Nachrichten, die ich im Badezimmer zu Ohren bekam, zwangen mich, noch schnell eine E-Mail an den MDR zu senden. Der Inhalt wird Euch bekannt sein, aber ich konnte nicht anders. Gerade an diesem Wochenende nicht. Ihr wisst - Palästinenser sind für mich Menschen wie alle anderen auch und meinetwegen kann es bald einen palästinensischen Staat geben, aber indirekte Israel-Hetze in deutschen öffentlich-rechtlichen Medien verursachen bei mir Zorn. Bitteschön:
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Sehr geehrte Damen und Herren,

heute wurde in Ihren Radio-Nachrichten unter Anderem über die aktuellen Ereignisse auf den Golanhöhen, im Westjordanland sowie an den Grenzen Israels zum Libanon und zum Gazastreifen berichtet. Die Schlussbemerkung zu dieser Meldung lautete wortwörtlich: „Im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels vor 63 Jahren wurden 700.000 Palästinenser vertrieben.“.

Erlauben Sie mir den Hinweis, dass dieser Schlusssatz journalistisch unprofessionell bzw. zumindest äußerst ungeschickt formuliert ist. Als unwissender Nachrichtenempfänger muss man, wenn man diese Meldung hört, automatisch davon ausgehen, dass 1948 der Staat Israel gegründet wurde und dass dieser hunderttausende Palästinenser aus dem neuen Staatsgebiet vertrieben hat und diese Menschen nun einen unrechtmäßig entstandenen Staat legal angreifen. Richtig ist, dass A) die UN-Vollversammlung 1947 den Beschluss zur Gründung zweier Staaten (Israel und Palästina) fasste, B) sämtliche arabische Staaten Israel nach dessen Gründung umgehend den Krieg erklärten und zwar mit dem einzigen Ziel der Vernichtung Israels und C) die große Mehrzahl der Palästinenser vor den Kriegswirren flüchtete. Dass es auch vereinzelte Vertreibungen gab, ist unumstritten. Im Übrigen gab es auch vor der Gründung Israels nie einen palästinensischen Staat. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches war Palästina britisches Mandatsgebiet.

Nimmt man allein Ihre heutige Berichterstattung bzw. deren Formulierung, so unterstützt man damit – wenn auch nicht gewollt – den Antizionismus und somit indirekt auch in einem gewissen Maße den Antisemitismus. Dass 700.000 Menschen aus Israel vertrieben wurden, ist schlichtweg falsch. Auch erwähnen Sie mit keiner Silbe, wer den damaligen Krieg angezettelt hat. Bitte berichten Sie zukünftig objektiv und sachlich. Mir ist bewusst, dass in den Radio-Nachrichten kein Platz für weitreichende Erklärungen ist. Von daher sollten Sie auf solche pseudo-begründenden Schlusssätze wie den oben erwähnten verzichten.

Freundliche Grüße

1 Kommentar:

tomasz hat gesagt…

Das gibt’s ja gar nicht! Gestern Abend bin ich noch über die Israel-Berichterstattung des MDR empört und heute lese ich in den Ausführungen von Manfred Rosenboom folgende Zeilen zur „objektiven Berichterstattung“ (ohne danach zu suchen; bin durch das Studium dazu gezwungen):

„Vorsicht bei Themen und Gegenden, die von unserem eigenen Horizont weit entfernt sind. Wer am aktuellen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern die Schuld trägt, kann vielleicht der vor Ort befindliche Korrespondent entscheiden. Vielleicht aber auch nicht. Inhalt der Nachricht muss die Information über den Konflikt sein, nicht aber das Sortieren der handelnden Personen in Täter und Opfer...“

Auch wenn meine Meinung zum MDR-Bericht etwas penibel sein mag, die Art und Weise der gestrigen Berichterstattung des Senders war keineswegs objektiv.